Japan

20170907_133810Klassisch verschlafe ich den Flug.Die Flugdauer beträgt nur eine Stunde,also keine große Kunst.Als die Maschine landet und ich die Gangway herunterlaufe kommt mir alles ziemlich surreal vor.Das geht zu schnell!Ich bin fast erfreut als ich mich in gewohnter Manier an einem Immigrationsschalter anstellen darf und ein Formular ausfülle.Im unterschied zu den bisherigen Grenzübergängen geht als hier aber schon so geregelt und perfekt durchorganisiert ab das mir auch das Gefühl des klassischen Grenzübertritts nicht ganz so richtig kommen will. Naja. Ich lege meinen Pass in irgend eine Seltsame Scanmaschine,lasse meine Fingerabdrücke und mein Foto vom Grenzbeamten erfassen.Kurze Frage am Zoll:

„Erstes mal in Japan?“
„Jawohl“                                                                                                                                                „Alles klar.Genießen sie ihren Aufenthalt.“                                                                                 Ich werde vom Grenzbeamten freundlich durchgewunken.Das wars?  Mein Rucksack wird nicht inspiziert und ich bin offiziell eingereist.Ziemlich easy. Auch meinen Bus in die Stadt finde ich dank breiter Ausschilderung auf Englisch problemlos und ehe ich weiß was da eigentlich so los ist rolle ich schon ins Herz Tokios.20170907_163647

Ich werde am Abwurfpunkt von Rie abgeholt,einer Kollegin von Joris. Er konnte sie davon überzeugen einem wildfremden Reisenden für ein paar Tage ein Dach über dem Kopf zu gewähren.20170907_182416Schon nach relativ kurzer Zeit merke ich,dass mir das Glück mal wieder hold war. Rie ist absolut entspannt und hat eine schicke Wohnung im zentralen Tokio in der sie sogar ein Zimmer für mich vorbereitet hat.Ich verstehe mich mit ihrer Katze,also darf ich bleiben.Die Wohnung ist Hightech.Die Klimaanlage sieht us wie ein Raumschiff und spricht,die Toillette hat mehr knöpfe als ich mir Funktionen vorstellen kann und aus der Küche kann man die Temperatur des Badewassers regulieren.Damit ich mich zurechtfinde hilft mir Rie mit Postit zetteln;)20170908_11370220170908_11303720170908_115246

20170908_113252Sie arbeitet in der HR-Abteilung  eines Pharmakonzerns,hat Joris über ihren alten Arbeitgeber vor einigen Jahren kennengelernt.Mein Glück,dass die beiden sich gut verstanden haben!

Tokio ist eine irre Stadt.Mit mehr als 25 Mio. Einwohnern ist sie sogar die größte der Welt.Seltsamerweise geht hier trotz der unglaublichen Menschenmasse alles geordnet zu.Leute drängeln nicht beim über die Straße gehen,alle sind unfassbar höflich und bemüht ja sogar die Straßen sind so sauber dass man von ihnen Essen könnte.Es ist zwar einiges los auf den Straßen,doch hätte ich bei einer Stadt dieser größe doch mit mehr Verkehr gerechnet-die Leute benutzen wohl doch hauptsächlich die unglaubkich gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmittel.Angenehm.20170908_12531520170908_12532520170908_13151520170908_13244720170908_143316

Mir gefällt auch sehr gut,dass es in Tokyo eine große Anzahl an großen Parks und Tempelanlagen gibt,man kann sich also praktisch immer wenn einem die urbane Wüste auf den Zeiger geht in die Natur ausweichen.Ich mache von dieser möglichkeit sehr oft Gebrauch.

Ich verbringe die nächsten Tage damit die Stadt zu erkunden.Meistens mit Metro Tagestickets ausgestattet verbringe ich meine Zeit in Häuserschluchten,Arkadenspielhallen und unglaublich riesigen Einkaufszentren.Abends treffe ich mich mit Couchsurfern oder unternehme etwas mit meiner Gastgeberin.Rie zeigt mir wo es das beste Sushi gibt,die ein oder andere Sehenswürdigkeit und organisiert sogar zusammen mit ihren Freunden eine kleine Party auf der wir meinen Geburtstag nachfeiern.Es könnte alles schlechter sein.IMG-20170909-WA0038

Trotzdem  versuche ich herauszufinden wie ich mich in diesem Land bewegen möchte.Tokyo ist schön und gut,doch möchte ich sehen was diese Insel sonst noch zu bieten hat.

Sehr seltsam nicht einfach eine Straßenkarte ausbreiten zu können und dann zu entscheiden welche der Straßen einen wohl am angenehmsten/interessantesten ans Ziel bringen.
Ich hadere etwas mit mir.Soll ich mir einen Railwaypass kaufen?Ein Fahrrad mieten?Trampen?

Alles nicht so ganz das wahre.Doch Hilfe naht!

Meine Platinmitgliedschaft bei „Geile Typen helfen geilen Typen“ lohnt sich mal wieder.Ich lerne Jonas kennen,er ist im selben alter wie ich,ebenso Zweirad begeistert und hat seine Basis aus beruflichen Gründen momentan in Tokyo. Als ich ihm beim Bier mein Leid klage meint er nur::

„Du brauchst n Moped!Wenn du willst kannst du meins für zwei Wochen haben.“

Was habe ich da gehört?Ich muss zwei mal nachfragen.Aber der Meister meint das ernst.20170911_163553

Jonas hat eine CBF 400,deren Verlust er für zwei Wochen verschmerzen kann…er ist ohnehin ziemlich oft beruflich auf der Teststrecke und bekommt so die tägliche Mopeddosis direkt auf der Arbeit.

Mir fällt ein Stein vom herzen.

Die nächsten Tage verbringe ich damit die benötigte Ausrüstung zusammen zu kratzen     ( habe schlauerweise alles bei Nikita im Container abgeworfen-inklusive Helm).

Da hier in Japan alles mega teuer ist wird es Ausrüstung light.
Jeans,gebrauchte Lederjacke und Open Face-Helm. Kostet zwar auch alles eine Stange Geld aber ganz ohne geht’s eben doch nicht.
Nachdem ich die Maschine bei Jonas abgeholt habe muss ich mich erstmals an das andere Fahrgefühl gewöhnen.Sitzposition,Ansprechverhalten und Kurvenlage sind komplett anders als bei Nikita.Die CB hat zwar nicht mehr Leistung als meine Dame jedoch beschleunigt sie wesentlich aggressiver-man gewöhnt sich aber schnell daran..Durch das nächtliche Tokyo mit dem Moped zu fahren ist schon was.Man fühlt sich manchmal bisschen wie in „Blade Runner“ wenn man durch die Neonschluchten rollt.Durrchaus cool.21729577_10155419203513145_677247859_o21733634_10155419204388145_657111948_oNur die Ampeln alle 3 Minuten auf der Strecke nerven ziemlich. Insgesamt verhalten sich alle Fahrer äußerst zivilisiert und auch an den Linksverkehr gewöhnt man sich  recht schnell.Obwohl ich mir Mühe gebe mich an die Verkehrsregeln zu halten kann ich manchmal einfach nicht anders und überhole einige Japaners.Die Tempolimits sind sowieso viel zu niedrig.40Km/h auf ner vierspurigen Strasse. Ja sicher. Naja. Moped fahren ist eben Moped fahren.Was mich hauptsächlich stört ist der Helm.Da er für asiatische Köpfe gemacht wurde drückt er ziemlich auf meinen europäischen Dickschädel.Ich werde das noch regeln müssen bevor ich aufbreche.Mache ich dann auch.Tausche den Helm von m auf xl und lasse ihn mit einer Millionen Schaumstoffpolstern meinem Schädel anpassen howdey. Besser so.Fühle mich jetzt zwar als ob ich nen Medizinball aufm Kopf hätte aufgrund des Riesen teils aber jou,drückt wenigstens nicht.So.Habe also jetzt ein Moped,den ganzen Kram-fehlt nur noch die Route.Ich entscheide mich schließlich dazu den Norden zu erkunden,ist etwas weniger besiedelt und in Hokkaido soll es die besten Mopedstrecken geben….

Also kann ich los.Denke ich mir zumindest.Das Wetter jedoch möchte mir einen Strich durch die Rechnung machen.Ein relativ starker Taifun treibt auf Japan zu,soll die Hauptinsel in ca. 1-2 Tagen erreichen. Rie rät mir dringend dazu an zu bleiben,ich selbst kann die Lage nicht so wirklich einschätzen, denn noch habe ich keinenTaifun erlebt.Es geht mir sehr gut bei meiner Gastgeberin,sie kümmert sich rührend um alles und besonders mein Wohlempfinden,wäre also rein theoretisch nicht so schlimm noch ein paar tage hier zu bleiben.Mein Problem ist nur,dass ich Unruhig werde.Ich brauche wieder das Gefühl mich zu bewegen und muss vor allem raus aus dieser riesen Stadt.Am nächsten Morgen gibt’s also nur eine Option für mich-trotz grauem Himmel-und die hat mit nem Gasgriff zu tun!20170916_11082820170916_110846

Ich verabschiede mich von Rie und mache mich auf den Weg gen Norden.Langsam kämpfe ich mich über kleine Straßen aus dem riesigen Stadtgebiet-für die großen muss man Mautmillionen investieren da habe ich keine Lust drauf.Wetter ist so mittel,grau und windig aber kein regen..Spaßig ist das alles nicht,man hat das Gefühl kaum voranzukommen.Lichtblick:Ich bekomme unterwegs die Zusage eines Couchsurfers der in einem kleinen Onsen ( heiße quellen,Thermalbäder) Dorf wohnt..Genau das was ich jetzt nach Tokyo brauche!IMG-20170916-WA0013

Komme in der Dunkelheit an und werde von John herzlich in Empfang genommen.

Das Zimmer das er für mich vorbereitet hat ist ne ziemliche Wucht. Tatami Matten,breite Fensterfont mit Blick auf den Garten-ideal. John selbst ist ein ziemlich lässiger Typ.Seit 11 Jahren ist er schon in Japan,hat so ziemlich in jeder Ecke dieser Insel gewohnt und sprudelt nur so über voller Ideen und Empfehlungen für die Reise.Während er mir von Japan erzählt kocht er gleichzeitig innerhalb von 10 Minuten ( ja er stoppt die Zeit-ist so was wie eine Herausforderung für ihn) ein ordentliches Abendessen.Der Abend verläuft entspannt,John bietet mir an ich könne die nächsten Tage bleiben bis der Taifun vorüber gezogen sei,ab morgen würde es sowieso durchregnen.20170917_110916

Ich habe A keine Regenklamotten und B gefällt mir das kleine Dörfchen,ich nehme an.

Ich habe den Tag für mich,John muss arbeiten.Eigentlich ist er Englischlehrer aber am Wochenende hat er einen interessanten Nebenverdienst:

Er verkleidet sich als Priester und verheiratet japanische Paare in einer stilisierten Kirchenheirat.Die stehen da wohl drauf,wenn sich der Meister den Bart zwirbelt und im Talar ernste Worte spricht;)Ein lustiges Völkchen.

Naja es ist wie versprochen ein Regentag.Ich wandere trotzdem ein paar stunden durch die Umgebung,tut gut wieder frische Luft atmen zu können.Dann schön die Füße in das öffentliche Thermalbad stellen und ein kleines Bierchen in der Basis genießen ( Es ist Urlaub ich darf das!).20170917_13494620170917_14115320170917_14132020170917_13393420170917_131838

Abends mit John dann große Tafel,wir testen alle kaufbaren Biere aus.Der Taifun ist immer noch nicht aufgeschlagen.Wird wohl in den frühen morgen Stunden passieren. 20170917_20275020170917_202845Naja kein Grund zur Sorge,die Bude ist solide und die Mopete steht sogar in der Garage.Als es gegen 5 Uhr losgeht weckt mich der Sturm und der Sintflutartige Regen.Sieht n bisschen nach Weltuntergang aus.Nach 3-4 Stunden ist der Spuk jedoch vorbei-der Himmel teilweise sogar wieder Blau.Wieder mal alles halb so wild. Goodbye,Johnnie boy!Über die Bandai Izuma Skyline fahre ich zuerst weiter Richtung Fukushima dann nach Norden,die Strassen machen hier schon deutlich mehr spass.

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Laut John nummer 2 der „Haunted Places“ in Japan. Mir ist jedoch kein Spuk aufgefallen.

20170918_13174220170918_13175520170918_13173520170918_130145Unendlich viele kurven,Asphalt meistens in ausgezeichneter Qualität. Das ist doch alles schon deutlich versöhnlicher als der Stadtverkehr in Tokyo. Yeah. Gegen Abend fängt es dann aber doch wieder an zu regnen,wird kalt,gegen 22 Uhr suche ich mir eine Raststätte um dort die Nacht zu verbringen.In Japan gibt es auf großen Straßen alle 30-50 Km ordentliche Raststätten mit einem über Nacht geöffneten Pausenraum.Ist zwar wahrscheinlich nicht für Übernachtung gedacht aber taugt außerordentlich zum ausrollen einer ISO-matte. Gai-Jin Bonus.

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Michi No Eki.The place to be.

Am nächsten morgen schön nen Kaffee an einem der vielen Automaten ziehen und weiter geht die reise.Ich rolle gen Aomori,von dort gibt es eine 4 Stunden Fähre auf die nördlichste Insel Japans,Hokkaido.Man hat mir gesagt es soll so was wie das Paradies fürs Moped fahren wandern und/oder das genießen der Natur sein.20170919_09360220170919_100426Ich habe also durchaus Erwartungen als ich nach meinem 3 Stündigen Powernap vom Kahn rolle.Nach der üblichen Auseinandersetzung mit dem Tankautomaten ziehe ich am Hebel und rolle in die Prärie. Landschaftlich nicht ganz verkehrt aber nichts was man noch nicht so oder so ähnlich erlebt hat.Die Straßen sind breit,nette kurven entlang der Küstenlinie. Das Wetter jedoch meint es nicht so gut mit mir.Bald flüchte ich mich von Unterschlupf zu Unterschlupf,vermisse all meine gute Ausrüstung schmerzlich,besonders den Helm und meine KLIM Klamotten als der Regen mir ins Gesicht Peitscht.

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„Caution heavy rain“-diese Warntafel habe ich wirklich gebraucht
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„Weather Warning-Road possibly closed“–Eine Information die weiterhilft!
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Bushaltestellen-Blues

Auch das Moped ist einfach nicht so das wahre…ja fährt schon aber ist irgendwie seelenlos.Als es dunkel wird und ich noch immer weit vom Tagesziel Sapporo beschließe ich irgendwo Unterschlupf zu suchen…ich bin Nass,mir ist kalt.ich habe wenig Bock zu fahren.Biege von der großen Straße in einen kleinen Ort ab und versuche mein Glück im nächstbesten Hotel der niedrigeren Preisklasse.
Nach kurzem Gespräch mit der Empfangsdame heißt es „leider ausgebucht“…ich sehe niemandem im ganzen Hotel aber anscheinend wirkt mein Auftreten abschreckend genug…auf zum nächsten Laden.Hier das selbe spiel in Grün.Ich komme mir leicht verarscht vor…ein kleines Hostel rettet mich schließlich vor dem Gewitter mit Starkregen….Muss den Damen die den Laden schmeissen zwar ungefähr zwanzigmal meine Reise schildern während ich meine Instant Nudeln verzehre das -kriege ich auch grade noch so hin,dann verziehe ich mich auf mein Zimmer lasse mir vom Regen noch die ein oder andere Geschichte erzählen….
Am nächsten Tag wieder Regen.20170920_12285320170920_123422

Ich zweifle inzwischen ziemlich daran ob es so schlau war Japan mit dem Moped zu erkunden…Naja man muss zu seinen Entscheidungen stehen.Bleibt ja auch keine andere Möglichkeit.Fahren macht an diesem Tag mittelmäßig Spaß,ich bin mal wieder komplett nass,also beschließe ich ein Japanisches Onsen auszuprobieren das mir die Ladies in der letzten Herberge als eines der besten in der Gegend angepriesen haben….tja zu meinem Pech ist da heute Abend nur Badetag für die Ladies… Danke dafür.Stimmungstiefpunkt.Ein Japaner zeigt mir zum kleinen Trost noch eine andere heiße Quelle,die hat aber den Charme eines Krankenhausschwimmbads.20170920_174851

Finde einen Schlafplatz in einem Rider Haus.Was das ist?

Im Prinzip eine Herberge für Motorrad und Radfahrer.Unglaublich Günstig mit Minimalem Komfort.Man muss wissen wo diese Häuser sind,manchmal ein bisschen in der Gegend herumfragen,aber dann bekommt man für kleines Geld (10Euro) ein Dach über dem Kopf und einen Stellplatz für das Motorrad.

In dieser hier gibt es einen Gemeinschaftsraum und ein paar Isomatten zum Schlafen.Man freut sich über den Schlafsack im Gepäck!Da ich das Moped in absehbarer Zeit wieder an seinen Eigentümer zurückgeben muss mache ich mich am nächsten morgen wieder auf den Rückweg20170921_09013420170921_09062520170921_104526…besteige auf dem Weg noch einen Vulkan und beschließe um das Hotel zu sparen eine Fähre in der Nacht zu nehmen.

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kaum Schwefel in der Luft;)
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Damit die Götter nicht frieren

20170921_16091220170921_173006Morgends bin ich deswegen super fit und beschließe heute ist mal wieder ONSEN tag. Diesmal habe ich Glück. Mitten im Nirgendwo finde ich ein Onsen,es ist nicht Ladies -only -Party –>Zeit für heftige Entspannung..20170922_12074920170922_122540

Japanische Onsen funktionieren folgendermaßen:

Zuerst wäscht man sich mit wahlweise kaltem oder heißen Wasser und Seife auf einem kleinen Bänkchen sitzend, wenn man dann vollkommen rein ist wird im heißen Wasser ordentlich gen0ssen.Als ich in die Runde blicke sehe ich zum ersten mal seit dem ich hier bin wie Japaner aussehen die sich entspannen.Ich schließe mich an.Nach zwei Stunden in verschiedenen Thermalbädern rolle ich wie neugeboren wieder durch Reisfelder in Richtung Küste.20170922_150601Unterwegs überquere ich die „Over Mega Bridge“ ist aber halbwegs enttäuschend.20170922_164111 30 Meter Beton ohne Ausblick.Als der Abend naht mache ich mir mal wieder Gedanken wo ich heute wohl nächtigen soll.20170922_175021Da ich keine Lust habe mein Budget für 3.klassige japanische Hotels zu verballern entscheide ich mich wieder für die Raststätten Option.In bester Lage neben dem Damenklo breite ich meine Isomatte aus,die wenigen Reisenden die jetzt noch unterwegs sind schauen mich etwas schräg an aber mir ist das ziemlich egal.

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5 Sterne Hotel.

Tiefer traumloser Schlaf,bis mich liebevoll um 5 die Putzfrau weckt:Naja. Schon besser geswesen. Aber verkehrt ist es auch nicht,so erreiche ich den Fuß des Fujis am Nachmittag.Hier habe ich mich mit Jonas verabredet, dem Typen der mir sein Moped ausgeliehen hat.Wir hatten geplant den guten alten 3700 Meter hohen Fuji San bei Nacht zu besteigen um den Sonnenaufgang vom Gipfel zu erleben.Normalerweise macht man das auf Grund des Höhenunterschiedes (ich bin auf 0 Meter) in zwei Tagen aber Naja,einfach kann ja jeder..Nun gut.Da ich noch etwas Zeit habe bis wir uns gegen 22:30 am Einstiegspunkt in den Trails treffen wollen lege ich mich erstmal am Fuße des Berges ins Gras uns hole nach was ich in der Nacht versäumt habe.20170923_140242

Dann beginne ich mit den Vorbereitungen für den Aufstieg: Trailsnacks und ein Bier ( sollte reichn in der Höhe) werden eingekauft,ordentliche Nudelsuppe eingenommen und die Thermoklamotten aus dem Keller des Rucksacks geholt.Mein Handyakku ist fast leer,also stöpsle ich in einem öffentlichen WC die behinderten Toilette aus und behebe das Problem.Danke an die beheizten Sitze der Japanischen Klos!

Tja.Dann ist es auch bald soweit.Auf dem durch die Serpentinen schmiert mir das Moped fast ab.Die V-Tec Ansaugung kommt mit den Höhenmetern irgendwie nicht so gut klar,falls ich unter 8000u/min unterwegs bin. Naja. So weiß jedenfalls jeder dass da ein Moped kommt-keine Gefahr für Wildunfälle.Auf 2000 Metern angekommen bietet sich ein grandioser Ausblick auf die Stadt im Tal.Ein Meer aus Lichtern zu den Füßen des Berges.Als ich mich noch über die Aussicht freue teilt mir Jonas mit dass auf Anfahrt sein Rucksack vom Moped gefallen ist,er nicht kommt und nun seinen Kram einsammeln muss….verdammt.So stehe ich nun alleine am Fuße des Berges.Verdammt.Da mir der Aufstieg alleine zu heikel ist, baue ich erstmals das Zelt auf-man kann ja immer noch am nächsten morgen hoch denke ich mir….zufrieden bin ich mit meiner Entscheidung aber wirklich nicht.aus dem Augenwinkel sehe ich ein Fahrzeug auf einen Parkplatz in der Nähe rollen.Was hab ich schon zu verlieren denke ich mir und schlappe rüber.5 Japaner bereiten sich hier für den Aufstieg vor.Mit google Translate und bruchstückhaftem Englisch frage ich die Jungs ob ich mich dem Team anschließen kann-die Antwort ist positiv.

Wie ich später erfahre sind die Jungs Infanterie Offiziere der Japanischen Armee die sich aus der Ausbildung kennen-was kann man sich mehr Wünschen.20170924_00550620170924_013341

Dem entsprechend geht der Aufstieg auch ziemlich routiniert und zügig voran,ein „Squadleader“ teilt pausen und Tempo ein,der Rest der Einheit passt sich dem Tempo an.
Obwohl die Sprachbarriere immens ist verstehe ich mich gut mit den Jungs und der ziemliche lange und harte Aufstieg über steile Kletterpfade und Geröll mach kaum Probleme,auch wenn mein Herz auf Hochtouren läuft und die Atemfrequenz gehörig ansteigt.Auf 2000 Meter schwitzt man selbst im T-Shirt,je höher wir jedoch steigen desto kälter wird es.Auf 3400 Meter fängt es an zu schneien.Da die zeit bis zum Sonnenaufgang knapp wird,beschließen die zwei Scouts der Truppe einen Sprint einzulegen.Ich ziehe mit und auf den letzten Metern überholen wir unzählige andere Bergsteiger,die teilweise auf einer niedrigeren Ebene kampiert haben.Als ich mir denke ich packe bald keinen Schritt mehr kommt die Spitze in Sicht.Das gibt Kraft.Mit kaum noch Energie steigen wir die letzten Meter.Oben angekommen wird mir klar das ich kurz davor bin zusammenzuklappen-aber egal-ich hab geschafft!Der Ausblick ist beeindruckend.,man schaut auf ein Meer aus Wolken hinab.Ein eiskalter Wind weht,die Temperatur ist wesentlich unter dem Gefrierpunkt.Am liebsten würde ich mich auf den Boden legen,doch muss in Bewegung bleiben da es sonst zu kalt wird.20170924_05000320170924_05011020170924_053710

Der Sonnenaufgang hier oben ist majestätisch.Es Ist mir nicht möglich ihn zu beschreiben,man muss das wohl erleben.Nach und nach kommt auch der Rest des Teams am Gipfel an,die Jungs kochen Kaffee und Suppe.Ich habe mich eines Infanteristen würdig bewiesen sagen sie mir,ich bekomme ein T-Shirt der Japanischen Armee zum Andenken geschenkt.Ich fühle mich schon etwas geehrt muss ich zugeben;)

20170924_05204220170924_05424520170924_054929Wir knipsen noch einige Fotos,dann machen wir uns wieder an den Abstieg es ist hier oben einfach zu kalt!Der Abstiegt geht deutlich schneller voran,meist in geraden Bahnen über feines Vulkangestein.Mit Turnschuhen bin ich hier bestens für das lose Geröll ausgestattet!20170924_06424220170924_09174920170924_081427
Als ich um 10 Uhr wieder am Motorrad bin habe ich 31 Stunden nicht geschlafen,kann kaum noch laufen aber bin ziemlich zufrieden mit mir und dem Gang der Dinge..Ich verabschiede mich von den Jungs packe das Zelt ein und mache mich auf den Weg zurück nach Tokio.20170924_092739Wachgehalten auf der 3 Stündigen fahrt werde ich von irren Japanischen Energydrinks und derber Musik auf den Kopfhörern.Mein Weg führt mich wieder zu Rie-San,die mich schon zuvor beherbergt hatte;)
Es ist angenehm wieder hier her zu kommen,wir haben uns gut verstanden und es muss nicht viel erklärt werden.Ich halte im Zombie-Modus noch bis zum Abend durch,dann schlage ich wie ein Sack auf meiner Isomatte auf und schlafe 16 Stunden.Ich verbringe noch zwei angenehme Tage in Tokio,gebe Jonas sein Moped zurück und schaue mir den ein oder anderen Tempel an.20170925_17181320170925_16374420170925_173358

Am letzten Abend bringt mir Rie bei wie man selbst Sushi rollt,ich bin erstaunt dass ich mit meinen zwei linken Händen ganz passable Ergebnisse erziele!

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Dann heißt es auch hier wieder Abschied nehmen.Ich verabschiede mich von meiner so fürsorglichen Gastgeberin und breche mit meinem Rucksack gen Flughafen auf.Mir steht ein 16 Stunden Flug bevor,dann bricht ein neues Kapitel an.Südostasien steht auf dem Programm!20170927_084708

Ziel der Maschine ist Hanoi,die Hauptstadt Vietnams.Hier wird wieder alles anders werden.Nochmals.Doch darum geht es ja irgendwie!

Ich werde berichten!

Glück auf!

2 Gedanken zu “Japan

  1. Hi Ben,

    mal wieder ein sehr geiler Bericht! Bin da fast etwas neidisch. Wir haben auf unseren Reisen ja auch allerhand erlebt, aber die Option mit Couch-Surfen etc. hatten wir bislang nicht! Ist halt schon anders mit „großer“ Hardware zu reisen! Nur mit Rucksack ist mir allerdings zu basic und echt nicht mehr mein Ding! Ich genieße die Tatsache mein eigenes Bett und WC bei mir zu haben!

    Weiterhin gute Reise es bleibt spannend!

    Grüße aus dem kalten herbstlichen Süden deutschlands

    Chris

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    1. Ich bin mir ohne Moped auch erstmal ziemlich nackt vorgekommen…aber man gewöhnt sich bekanntlich ja an alles. Mit so großem Equipment wie ihr würde ich aber auch nicht reisen wollen. Käme mir vor wie die Schnecke mit dem Haus… Zum reisen gibt’s eben keine Patentformel. Man muss sich wohl fühlen! Freut mich das euch das Geschreibsel gefällt! Glück auf!

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