Россия I – цивилизация (Zivilisation)

Die Reise ist konstanter Wandel in linearer Abfolge.

Der erste Abschnitt meines Russlannd-Gastspieles findet  im Gegensatz zu vorhergehenden Berichten mehr in Städten und Wohnungen als auf der Strasse statt. Aus dem Staub der Steppe führt mich mein Weg über die Weiten Sibirien von einer Betonstadt zur nächsten. Meistens sind es die Menschen die mehr Eindruck machen als die Post-sowjetischen Einöden.

Doch der Reihe nach.

Nach der Überquerung der Grenze bin ich auf dem Weg nach Omsk,einer für russische Verhältnisse mittelgroße Stadt,haupsächlich bekannt für die Lage am Anfang der Transibirschen Eisenbahn.IMG_20170711_170312142

Der Weg dorthin ist gut,über endlose Geraden fahre ich durch die grünen Weiten Sibiriens.Wenn man nichts weiteres zu tun hat als grade aus zu fahren schweifen die Gedanken.Das kann angenehm oder auch nicht sein,grade gefällt es mir ganz gut.

IMG_20170711_142147825Als ich in Omsk einfahre traue ich meinen Augen nicht.

IKEA?

WAS?

Träume ich? Und Media Markt gibts hier auch?

Kommt mir nach dem vorhergegagegn wie ein surreales Produkt meiner Fantasie vor.Man muss sich ziemlich konzentrieren beim fahren, es ist einiges los und der russische Fahrstil ist teilweise etwas gewöhnungsbedürftig.Mein Weg führt mich aus dem Zentrum zu Alexander,einem Couchsurfer.IMG_20170711_205319705Ich bin etwas zu früh dran,warte ein Weilchen vor seinem Block und unterhalte mit meiner Maschine die Kinder. So wirklich vertrauenserweckend scheint mir die Gegend hier nicht. Riesige graue Betonblöcke blicken auf eine kleine Grünfläche mit Innenhof.  Ich bin skeptisch. Doch dann kommt Alex auf seinem Rad angefahren und nach wenigen Minuten zerstreuen sich meine Bedenken.IMG_20170712_222400830

Alex ist ein ziemlich lässiger Typ,wir finden nach wenigen Stunden den Draht zueinander und beschliessen uns nachdem ich den Schmutz der Strasse abgewaschen habe, die Stadt zu erkunden.IMG_20170711_211333315Es gibt viel grau,jedoch in der Mitte der Stadt eine kleine Siedlung aus Holzhäusern in diversen Zuständen.Das ist ziemlich typisch für die Städte hier lerne ich,fast jede Stadt hat eine kleine oder größere Holzsiedlung in der Stadt,meistens alte Wohnhäuser.Im Anschluss checken  wir diverse Bars und runden den Abend klassisch russisch mit Gurken aus dem Garten von Aleks Mutter und „Wasser“ ab.IMG_20170712_015255759_BURST000_COVER_TOPEigentlich will ich am nächsten Morgen fahren, habe aber keine Lust mich zu hetzen und das Angebot von Alex mich noch einen weiteren Tag zu beherbergen überzeugt.

Während er arbeitet kümmere ich mich um Internetkram, plane die weiteren Abschnitte.Den Abend verbringen wir in gemütlicher Runde mit Juri,dem Nachbarn und Kumpel von Alex  bei .Ebenfalls ein angenehmer Kerl.Die Gespräche drehen ihre Runden und der Zeiger die seinen.Es wird mal wieder später.Classic.

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Am  nächsten morgen heisst es Abschied nehmen und die 5-600 km nach Novosibirsk angehen.Über die Fahrt gibt es nichts großartiges zu berichten, hauptsächlich grade breite Strassen durchs Flachland.Nicht schlimm,aber auch nicht grade spassig.

In Novosibirsk treffe ich mit aufziehender Dunkelheit ein.Ich soll mich hier mit einem für mich unbekannten Viktor treffen,ein Kontakt den mir ein Kollege aus Mannheim vermittelt hat,der aus Novosibirsk stammt.

Ich weiss nichts über meinen vermutlichen Gastgeber,bis darauf, dass ihn mein Bekannter über irgend ein Motorrad oder Autoforum ausfindig gemacht hat und nicht persönlich kennt. Ein zwei Sätze haben wir auf Whatsapp ausgetauscht,Viktor scheint jedenfalls etwas deutsch zu sprechen. An der Metro Station Oktober holt er mich mit seinem Jeep ab.IMG_20170713_201741605

Ein Kerl wie ein Baum.Aber ausgesprochen freundlich.

Da es schon spät ist lautet sein Plan für mich folgendermaßen: „Hallo Ben.Wir bringen dein Motorrad in meine Firma,dann kaufen wir Biere für dich und ich bringe dich in dein Apartment.“

Ich bin noch etwas verwundert über den sehr adäquat meinen Bedürfnissen entsprechenden Plan.Nun.Gesagt getan.Und ja. Viktor hat wirklich ein Apartment für mich.Und einen ganzen Sack voller Köstlichkeiten aus dem Supermarkt.Ich kann nicht so wirklich fassen dass man einem Fremden gegenüberohne Grund so unglaublich gastfreundlich ist.IMG_20170715_230455237

Auch als sich Viktor verabschiedet und zu seiner Familie fährt weiss ich nicht so richtig was ich denken soll.Das ist einfach zu gut.Irgendwo muss sich ein Haken verstecken?!

Doch wie sich die kommenden Tage herausstellt gibt es keinen.Ich bekomme die nächsten Tage genug Möglichkeiten mich davon zu überzeugen.IMG_20170715_162414189

Ich erlebe ich große Gastfreundschaft wie sie in keinem Buche steht,lerne Familie und Lebensumfeld kennen.IMG_20170714_143201513

Viktor hat einige Jahre seiner Kindheit in der DDR verbracht,wo sein Vater als Helikopterpilot stationiert war.Noch sehr jung zu dieser Zeit erinnert er  sich an wenig,hat jedoch durchaus eine Verbindung nach Deutschland- spätere Besuche als Erwachsener sind der Jugend gefolgt.

Deutsch hat er in der Schule gelernt,es ist deswegen teilweise etwas eingerostet,das legt sich schnell und die Verständigung bis auf sehr spezielle Worte ein Problem.

Nach Ingenieursstudium  hat Viktor mit seinen 2 Freunden aus alten Tagen eine Fabrik für Betonstein aufgebaut, „Sibirski Monolith“ .Er verkauft auch selbstkonzipierte Maschinen für den Herstellungsprozess.Der Name ist Programm.IMG_20170715_132210459IMG_20170714_193834030

Hier ist alles Handarbeit.Von den Maschinen bis zur im Fabrikgebäude befindlichen Sauna ist alles selbsgebaut.Beindruckende LeistungIMG_20170714_132503305

Die Sauna oder besser das Banja probieren wir auch bald schon aus.Zusammen mit Aleks,einer der anderen beiden Freunde und Teilhaber.

Traditionell wird zwischen den Saunagängen  bei 100-120 Grad das ein oder andere Bierchen getrunken und Fisch gegessen.Auch an Kaviar fehlt es nicht.IMG-20170810-WA0121[1]IMG-20170810-WA0140[1]IMG_20170715_135219467

Ja,ich könnte mich mit dieser Tradition anfreunden!
Sehr leicht fällt es mir vorzustellen wie  die Männer hier die Zeit nach der Arbeit verbringen,besonders wenn es im Winter -40 Grad hat.

Viktor bietet mir an ich könne so lange bleiben wie ich will,doch ich muss weiter.

IMG-20170810-WA0131[1]Weiter im Osten,in Tomsk warten Motorradteile und ein großer Service für die Maschine, ausserdem muss ich mich auf irgend einem Amt registrieren. Ich breche also auf,immer noch beindruckt von der unglaublichen Gastfreundschaft dieses Mannes.

Auf den Weg bekomme ich noch einen ganzen Sack diverser Nüsse und Trockenfrüchte für den weitere Strecke..Davon werde ich noch lange zehren..Mit guten Wünschen und Proviant im Gepäck mache ich mil also wieder auf den Weg,weiter nach Tomsk.

350 km folge ich der Straße gen Nordosten.Ab und an genehmige ich mir ein paar Nüsse.100km vor Tomsk bemerke ich ein seltsames Geräusch.Und irgendwie spüre ich eine neue Vibration in der Maschine die ich noch nicht kenne.Als ich nach einigen 100 Metern anhalte erkenne ich die Ursache schnell: Die Schraube des Kettenspanners hat sich gelöst und der Kettenspanner selbst wurde von den Schrauben am hinteren Ritzel ordentlich zerlegt.Verdammt.

Das ist schon mein zweiter Kettenspanner.Die Dinger halten wirklich nicht lange bei mir;)

Nun gut.Ich befestige das Stück Aluminium so gut es geht und setze meinen Weg fort.Die Maschine ist inzwischen ziemlich laut, läuft teilweise unruhig,man merkt dem Motor die lange Zeit ohne Ventilspieleinstellung deutlich an.Auch die Reifen und das hintere Ritzel sind ziemlich am Ende.Es wird wirklich Zeit das ich meine schon in Tadjikistan bestellten Ersatzteile bekomme.Schnell will ich mit der Mopete irgendwie auch nicht fahren,also gemütlich die letzten Meter in die Stadt.Unterwegs lerne ich übrigens auch wie hier in Sibirien die Strassen wieder schön glatt gemacht werden:IMG_20170724_135732719

In Tomsk wird wieder gesurft, ich bin zu Gast in Aleksandras Wohnzimmer. Sie ist Anwältin und hat eine geräumige Wohnung in einem Aussenberzirk der Stadt mit dem größten Sofa das ich seit langem gesehen habe.Ich weiss zwar nicht wie ich das verdient habe aber auch hier wird mir unglaublich viel Gastfreundschaft und Offenheit entegengebracht.Ich habe kaum meine Motorradstiefel ausgezogen,schon gibt es leckeren Borscht ( extra für mich gekocht) und ich fühle mich wieder mal,wie so oft auf der Reise, als ob ich ein gutes Los gezogen hätte.

Nachdem ich satt und zufrieden bin,wird das Motorrad auf einem bewachten Parkplatz in der Nähe abgestellt und wir machen einen Ausflug in die Stadt.IMG_20170720_205845383IMG_20170720_205835562Da Sonntag ist kann ich die Maschine heute nicht in die Werkstatt bringen.

Naja.ich bin auch nicht auf der Flucht.Also zurück zur Stadt.Tomsk ist etwas kleiner als Novosibirsk,hat aber im Gegensatz zur großen Nachbarstadt eine Geschichte.Etwas älter als 400 Jahre ist die Stadt,es gibt hier viele Universtitäten und wohl normalerweise auch Studenten.Die seien jetzt aber in den Ferien erklärt mir meine Gastgeberin.

IMG_20170716_202807063Auch Anton Tschechow soll wohl mal hier gewesen sein,hat ihm aber wohl nicht zu sehr gefallen.Die Tomsker haben ihm trotzdem eine Statue gewidmet.Mir scheint man kann es hier aushalten,wie eine Metropole kommt mir  die Stadt aber nicht vor.Ist ja auch keine.

Am nächsten Tag treffe ich mich mit Oxana,eine bekannte meines Onkels,die mir die Visumseinladung für Russland organisiert hat um mein Visum zu registrieren.Ich bin ziemlich froh über  Hilfe,es gibt einige russische Formulare auszufüllen,die selbst für die Muttersprachlerin schwer zu verstehen sind.IMG_20170717_111107825Mehrfach wadert unser teiweise ausgefülltes  Dokument in den Papierkorb.Nach ca.45 Minuten auf dem Amt ist jedoch alles Ordnungsgemäß erledigt und wir schauen uns noch etwas in Tomsk um.IMG_20170719_193221645_BURST000_COVER_TOP.jpgIMG_20170716_195451760IMG_20170717_121318529

Am Nachmittag übergebe ich die Maschine in die fachkundigen Hände des Werkstattpersonals,auch all meine bestellten Ersatzteile sind schon angekommen.Selber schrauben ist wohl nicht meinen die Jungs.Naja. Auch mal ne interessante Abwechslung:)Die  Dame bekommt eine neue Kette (die alte schon ziemlich hinüber vom exzessiven Gebrauch abseits der Strasse mit nur 17000km),ein neues Ritzel am Hinterrad(das vordere  zeigt seltsamer Weise noch keine Spuren von Abnutzung),Öl und Filter so wie neue Reifen.
Ich steige für die Russland Etappe nach reinen Offroad Reifen nun wieder auf eher vielseitig einsetzbare Exemplare um.Habe mich auf empfehlung vpn Joris für die Mitas E-07 entschieden,da doch noch ziemlich viel Strecke vor mir liegt und ich nicht noch einen Wechsel plane.Auch Ventilspiel und sämtliche Lager  ( das Lenkkopflager insbesonders ) werden von den Jungs überprüft -ist mal wieder an der Zeit.IMG_20170717_161239232

Zurück zu Aleksa bringt mich mein Mechaniker auch persönlich,er hat jetzt Feieraben-Das nenne ich Kundenbetreuung!IMG_20170717_174643917_BURST000_COVER_TOP

Während ich in den nächsten Tagen auf das Motorrad warte habe ich mit Alexandra meiner Gastgeberin äusserst angenehme Gesellschaft. Sie nimmt sich sehr viel Zeit für mich obwohl sie einiges für ihre Arbeit zu tun hat ( auch in Russland gibt es wohl Gesetze).Habe das Gefühl schon lange nicht mehr so viel gegessen zu haben.Borscht,Fisch,Fleisch,Suppe-der Kühlschrank ist immer voll und ich werde mehr als einmal pro Stunde aufgefordert doch endlich mal wieder Nahrung zu mir zu nehmen.IMG_20170718_155259124_HDR
Mein Russisch verbessert sich sehr in diesen Tagen und der Blick durchs Schlüsseloch auf die  Kultur  dieses großen Landes wird zum Blick durch den Türspalt-Ich sehe viele russische Filme aus alten Sowjetzeiten und höre Geschichten aus verschiedenen Blickwinkeln.Auch das Städtchen hat seine Ecken,man könnte schlechter warten.

Als nach 6 Tagen mein Motorrad dann fertig ist fällt mir der Abschied dann schon etwas schwer,aber so ist das nun mal auf reisen.Sasha und ihr Betonklotz werden kleiner im Rückspiegel und ich bewege mich auf das 700 km entfernte Krasnoyarsk zu, über den Transsibirischen Highway. Vergessen werde ich auch diese Episode nicht.

Landschaftlich hat sich nicht viel verändert.Viel weites Land,ab und an unglaublich riesige Getreide und Rapsfelder,endlose Strasse.Meistens ist diese in gutem Zustand an und an gibt es jedoch auch kleine Schotter und  Kies Episoden wenn man mal wieder durch eine kleine (10km) Baustelle fährt.IMG_20170721_154422758

Mit aufziehender Dunkelheit komme ich in Krasnoyarsk an.Hier wird mich Maria beherbergen,ebenfalls Couchsurferin.Ich bekomme ein kleines Zimmerchen für mich und meine Isomatte und  ziemlich bald sind auch die Lichter aus,der Tag war lang.Ich merke die 750km dann doch.

Am nächsten Tag  gibts ne kleine Stadtrundführung,Krasnoyarsk ist eher Mittelmäßig schön.Aber Maria und ihre Freundin geben sich Mühe und zeigen mir die Sehenswerten Ecken.IMG_20170722_145346163IMG_20170722_225306983IMG_20170722_140131486

Um 7 Uhr stehe ich am folgenden morgen wieder vor der Maschine.Mir stehen mehr als 1000 km bis Irkutsk bevor.Als ich den Schlüssel drehe passiert jedoch nichts. Gar nichts. Nikita scheint  tot. Sogar das Voltmeter bekommt keinen Saft. Was ist da los?
Fehlersuche.

Problem ist schnell gefunden.Meine Zusatzscheinwerfer sind angeknipst.Irgendwer muss da wohl seine Freude dran gehabt haben….da die Lampen nicht an der  Zündung sondern direkt an die Batterie ihren Strom abgreifen haben sie die ganze Batterie leergesaugt.Verdammt.Ich hatte ehrlich gesagt schon bei der Installation der LEDs gedacht die Verdrahtung könnte schlauer gelöst sein, mich aber dann mangels Zeit und Kenntnis für den Direktanschluss entschieden.Hier kommt die Quittung.

 

Was tun?Ich habe ne Powerbank mit Starterklemmen im Gepäck, ahne aber schon beim Freilegen der Batterie,dass sie mir bei Tiefentladung nicht helfen wird.Probiere es in Ermangelung anderer Möglichkeiten aber doch. Der Erfolg ist Bescheiden.Ich kriege die Maschine zwar kurz zum laufen, nach wenigen Sekunden stirbt sie mir aber immer wieder ab. Lage ist klar. Ich brauche ein Ladegrät. (Frei nach Bilderbuch -Ich brauch die Power für mein Akku;))
Wen fragen? Den stark alkoholisierten Typen der mich schon bei Ankunft auf dem Parkplatz gefragt hat ob ich mich mit der Verdrahtung von Radios in Jeeps auskenne?Den Parkplatzwächter?Die Dame die gerade ihren dicken Mercedes abgestellt hat?

Ich entscheide mich klassisch für den betrunkenen Russen.Die Jungs sind bekanntlich zu allem imstande. Ich schwimme also gegen die massive Fahne an und frage den Meister ob er mir zufällig helfen kann.Und welch Wunder. Er kann. Zuerst schliessen wir die Maschine an seinen Jeep an,er glaubt mir nicht so ganz das meine Lichtmaschine in ordnung ist….Nach kurzer Überprüfung des Voltmeters bei laufendem Motor kann ich ihn Überzeugen.Nun sind wir auf einem Stand.Er meint auch ich brauche ein Ladegerät.Ob er weiss wo ich eins bekomme?

Natürlich.

Er öffnet den Laderaum seiner Karre und drückt mir nen Karton in die Hand.Es ist ein tatsächlich ein Ladegerät.Diese Russen;)Er meint ich kann es gerne ausleihen so lange ich will,soll mir etwas die Stadt anschauen während die Maschine läd.IMG_20170723_085409880

Jep.So wird das gemacht.Und nach 3 Stunden springt die Dame an wie eh und jeh.Ich bin wieder unterwegs.Ziele auf Irkutsk.Da aber mehr als 1000 km anstehen  und ich erst später als geplant gestartet bin werde ich wohl 2 Tage brauchen.Strasse ist normal.Als ich gegen Abend überlege wo das Camp wohl stehen soll und nochmals die Kette nachziehe erscheint mir eine Fata Morgana.

Mir kommt eine schwerstens beladene Vespa entgegen,gesteuert von einer pink gekleidet und behelmten kleinen Dame.Habe ich ausversehen Schnapps und Haluzinogene in meinen Camelbak gefüllt?IMG_20170723_183814096

Nee.Das ist schon alles richtig so.YU ist Chinesin und fährt auf ihrer kleinen Schleuder aus ihrem Heimatland nach Europa.Alleine.IMG_20170724_100127670
Wie viel Kilometer heute?Och so 700—–Ich selbst habe nur 350 geschafft.
Ich frage sie wohin sie heute noch will,sie sagt bis nach Krasnoyarsk. Meinem Startpunkt.Sie traut den Hotels in kleinen Orten nicht….Ich mache ihr klar dass das eine ziemlich bescheuerte Idee ist,die Sonne geht gerade unter.Schlage ihr vor mit ihr zusammen ein Hotel in ein paar Kilometern zu nehmen,falls das nichts taugt kann sie ja immer noch weiter fahren ( ….Irrsin).

Wir finden eine Truckerherberge in nicht all zu weiter Entfernung und die Dame ist zufrieden.Ich kann es immer noch nicht so richtig fassen.Dieses kleine Mädchen fährt queer über den halben Planeten,auf nem Roller?Mit 3 mal mehr Gepäck als ich auf meiner Maschine transportiere?Englisch?Kaum..Russisch?Gar nichts…Sie kann ihre Mopete nicht alleine aufstellen wenn sie kippt erzählt sie mir…IMG_20170724_093458133.Mann.Das Mädchen hat Courage.Wenn jetzt noch jemand mit Ausreden kommt!! Alles ist möglich wenn man will..Yu ist ein perfektes Beispiel.

IMG_20170724_095757805Am nächsten Momrgen trennen sich unsere Wege.Glück auf kleines Fräulein denke ich mir und ziehe ordentlich am Hebel.IMG_20170724_130922327Da mich das geradeausfahren langweilt mache ich ab und an kleine Abstecher ins Gelände.IMG_20170724_155846387IMG_20170725_123848462Einen Tag später bin ich in Irkutsk.

Hier treffe ich Ken, einen Schweitzer Africa Twin Piloten.Joris hatte ihm meine Kontaktdetails  zugesteckt,als er ihn 2 Monate zuvor in Kasachastan traf.WIr wollen uns für die bevorstehende berüchtigte und berühmte BAM (DangerousRoads:“The BAM Road is one of the toughest adventure roads left on this planet…“) zusammentun..IMG_20170728_094003606

Ken ist schon seit 3 Monaten mit seiner Africa Twin (oder Africa Bitch wie er sie nennt) unterwegs,kam über Finnland und Mokau.Wir verbringen ein paar Tage in Irkutsk.Ich brauche eine neue Haftpflicht für die Maschine,da meine ausläuft und Ken braucht diverse andere Dinge- unter anderem Reifen..

IMG_20170728_201543916_HDREine Versicherung abzuschliessen ist hier gar nicht so einfach.Ich brauche eine Art russisches TÜV Dokument.Hab ich natürlich nicht.Finde aber ein paar leute mit guten Verbindungen die mir eines zum erträglichen Kurs besorgen;)IMG-20170810-WA0007[1]
Mit allen Dokumenten im Gepäck verlasse ich Irkutsk  gen Norden.Ken wartet noch auf seine Reifen…Ich habe keine Lust mehr auf die Stadt und  werde die nächsten Tage auf Olkhon,einer Insel im Baikalsee verbringen.

Der Baikalsee ist ein einziger Superlativ.Der tiefste und der größte Süßwassersee der Welt.Wasser so klar und kalt,man möchte nicht nur baden sondern auch trinken.

DIe Insel ist ein kleines Paradies.Eine Fähre bringt mich vom Ufer  auf das Eiland,viele Autos und Touristen( die meisten Chinesen) begleiten mich.IMG_20170729_151138308

Als ich von der Fähre rolle schlägt mein Herz höher.Es gibt hier keinen Asphalt!Sand und Schottertrassen führen über die 80km lange Insel.Lang ists her!Ich lege den Gang ein und höre nicht mehr auf alles zu überholen was vor mir fährt bis ich mein Ziel,die Siedlung Khuzir erreiche.IMG_20170729_165617144IMG_20170729_172653328Das war nötig.Die nächsten Tage erkunde ich die Insel.Trotz der Touristen ist es kein Problem Orte für sich allein zu haben.Es ist genug Platz und die Kulisse ist unglaublich.Manchmal mit dem Moped manchmal zu Fuss mache erkunde ich was die Insel zu bieten hat.Im norden gibt es tiefsten Sand und äusserst miese Pfade,für Nikita und mich nach Kasachstan aber kein Problem.MuscleMemory.IMG_20170801_184103054_HDR

DCIM104GOPROEs fällt mir schwer in Worte zu fassen wie schön dieser Ort ist.Ich verstehe sehr gut warum die Insel bei den Burjaten heilig ist.Man spürt Energie überall.IMG_20170729_211648699Wenig mehr zu sagen.Während ich im klaren Wasser des Sees schwimme vergehen die Tage wie im Flug.IMG_20170801_141526889IMG_20170801_173019723

IMG_20170801_184917379DCIM104GOPRODer einzige Wermutstropfen ist dass ich beim suchen nach einem Campingplatz am letzten Abend mein Handy verliere und auch nach Stundenlangen suchen im Sand und Gras nicht wieder finde….Ärgert mich ganz schön.Aber man kann ja nicht immer Glück haben;)GOPR0523.JPGIMG_20170731_161922303

Es geht nach einer Woche auf Olkhon nun wieder weiter nach Norden,Richtung Severobaikalsk.Zusammen mit Ken fahre ich  über immer schlechtere Staub- und Steinpisten Richtung Nordufer des Sees.800km Strecke.Viele kleine Dörfer, meist halb zerfallene Holzhäuser.Asphalt?Sehr selten.Die am Anfang willkommene Abwechslung wird bald ziemlich anstrengend.20170807_131239[1]20170807_145549(0)[1].jpgDie Strasse ist hart,mehr als einmal habe ich das Gefühl einer der heraustehenden Steine schlägt direkt bis auf meine Felge durch.Auch stirbt mir die Maschine ohne ersichtlichen Grund während der Fahrt mehrfach ab….Es hat eine andere Qualität.Es wird  rauer.

Russland Teil 1-Zivilisation neigt sich dem Ende zu.

Wir stossen auf die BAM.

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Was uns erwartet? Bären,Moskitos und unzählbar viele Flussquerungen wurden uns angekündigt.Der erste Monat in Russland ist an mir vorbeigezogen wie ein Augenblick.Ich glaube ich habe mich verliebt.Nunja.

Wir werden sehen.

Glück auf!

Falls Interesse besteht:

Operation Y,Sowjetklassiker mit Untertiteln:

Operation Y,Sowjet Classic,English Subtitles

Kleiner Ausbilick auf die BAM:

BAM auf Dangerous Roads.org

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Россия I – цивилизация (Zivilisation)

  1. Ganz großes Kino Ben!
    So langsam ist dein Blog wie das Mosaik (*1) für mich. Ich kann es nicht erwarten, die nächste Geschichte zu lesen. Und dann bin ich so am Ort des Verfassers, quasi nicht wirklich erreichbar für ein paar Minuten.

    *1 Comic mit ostdeutschen Wurzeln

    Liken

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